I-Ging

I-Ging als Orientierungshilfe.

Das I Ging ist eine ernst zu nehmende menschliche Orientierungshilfe, die davon ausgeht, daß jede Existenz den Gesetzen der Wandlung unterworfen ist. Das Buch der Wandlungen vermag eine Brücke zu schlagen, um Orientierungsschwierigkeiten zu überwinden, mit denen sich gerade der westliche Mensch über ein einseitiglogisches Denken konfrontiert sieht. Das moderne, von der Naturwissenschaft in unermeßliche, übermenschliche Weiten ausgedehnte Weltbild, entbehrt eines allgemein verbindlichen Bezugssystems, da es seine äußere Zusammensetzung einer Vielfalt von Eindrücken aus Einzelstücken verdankt. Unsere Logik, die damit mehr oder weniger zurecht kommt, sieht sich darin aber ihrem ergänzenden Teil diametral gegenübergestellt, denn die Logik polarisiert und damit befindet sich der solare, männliche Teil in einer ständigen Auseinandersetzung mit dem lunaren, weiblichen Teil, - seiner Ergänzung, dem fehlenden Mutterstück, oder der Imagination. Der Seelenforscher C. G. Jung versuchte als Reaktion darauf mit seiner Theorie von den Archetypen ein menschlich allgemein verständliches Bezugssystem aufzubauen und erkannte im I Ging eine unerwartete Bestätigung seiner Überlegungen, gerade darum, weil es ihm aus einer anderen Zeit und Umgebung entgegentrat. Also zögerte er auch nicht, das I Ging für das Orakel zu verwenden und es wurde ihm im Bereich der persönlichen Erfahrung am besten gerecht, denn das I Ging ist leichter verständlich, wenn man es nach der uralten Absicht seiner frühen Verfasser individuell benutzt, indem man es gewissermassen durchwandert, als wenn man es nur einfach liest. Dabei müssen wir uns auch vorstellen, daß unsere heutige Logik und die Berechtigung unsere verschiedenartigen Sichtweisen nicht erst vor kurzem und auch keineswegs zufällig entstanden, sondern genau aus den alten Lehren hervorgegangen sind, wie wir sie als eine der ältesten davon im I Ging beschrieben haben! Nicht zuletzt deshalb wird man sich der Meinung des Philosophiegeschichtlers Wayne McEvilly anschließen müssen, der (in "Philosophy East and West") ausführlich auf die nicht kausale, strukturalistische Denkform des I Ging hinwies und letztlich zu dem Urteil gelangte: "In der heutigen Zeit muß es fast als ein unentschuldbares Versäumnis im geistigen Leben eines Menschen gelten, wenn er nicht Kenntnis genommen hat vom "Buch der Wandlungen". Das I Ging selber ist eine uralte Menschheitslehre, die sich auf die vom Menschen gestellten Fragen bezieht. Es gibt dann auch kein alltägliches oder philosophisches Problem, welches vom I Ging nicht neutraler beantwortet werden könnte, als es etwa unsere linear ausgerichtete Logik vermag. Das wird schon dadurch einsichtig, weil unser logisches Denken die Probleme nur lösen kann, indem es uns Lösungen beschert, die uns auf einer tieferen Ebene gerade wieder in neue Problemkreise einbinden. Wir wissen das, seitdem wir schwimmen lernten, wo wir erst dann vom Wasser getragen wurden, als wir Loslassen konnten was uns jedoch solange verwehrt blieb, als noch Lösungen in Aussicht standen. Das heißt, wirklich Loslassen können wir erst dann, wenn es gar keine Lösungen mehr gibt! Alle unsere Lösungsmodelle stehen also in einer direkten Verbindung zu unseren Bindungsmustern, was bedeutet, daß im Moment, wo sich uns ein Problem darstellt, die Ursache des Problems schon in unserem eigenen Denken liegt. Von psychologischer Seite wird dies dem "Nicht-Wissen" zugeschrieben, der moderne Hexenglaube der letzten Jahrzehnte. Und wenn dies dann - auch nur teilweise - richtig wäre, würde es ziemlich leicht sein, einfach alles zu heilen. Mit diesem Irrglauben bewaffnet, sind dann auch die Heiler reihenweise aus dem Boden geschossen. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil es an Antworten, die uns der Verstand zu geben vermag, niemals gemangelt hat. Die besten Antworten sind so alt, wie der Mensch selber. Jede Antwort aber, ist nur genau so wahr, wie sie unwahr ist, denn wir können - auch im scheinbar "ausschließlich Richtigen" niemals die Belange beider Hirnhemisphären gleichzeitig unterbringen. Das heißt, gerade das Richtige bezieht sich nur auf die eine Richtung, um die andere kann es sich nämlich nicht kümmern dabei.